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Das religiöse Leben der Altgläubigen beschränkt sich seit dem 8.Jahrhundert auf die Familie:

Die Familienväter haben aus "natürlichem" Recht "priesterliche" Funktionen; ”Amtsprie-ster” und Bischöfe gibt es nicht mehr.

Gleichwohl stehen die Altgläubigen in der Regel mit Geistlichen der alten Reichskirche in Ost und West in Verbindung. 

Die ostgotischen Altgläubigen haben sich nach dem Untergang des Ostgotenreichs (553) den Langobarden in Italien angeschlossen. Als die Langobarden ”katholisch” wurden (um 680), gingen sie mit den langobardischen Altgläubigen in den Unter-grund. 

Die wandalischen Altgläubigen wurden nach dem Untergang des Wandalenreiches (534) nach Kleinasien deportiert, wo ihnen freie Religionsausübung gestattet wurde. Sie sind im Laufe der Jahrhunderte in den ”Orthodoxen” aufgegangen.

Die besten wandalischen Krieger bildeten in Konstantinopel die kaiserliche Leibgarde, eine Einrichtung die später von den Zaren übernommen wurde (Waräger).
                
Die in Nordafrika verbliebenen Altgläubigen schlossen sich den Berbern an und lebten unter ihnen lange im Untergrund. 
                               
Als die Westgoten in Spanien zum "römischen Katholizismus" übertraten (654), bildete sich eine Oppositionsbewegung, die in den Pyrenäen in den Untergrund ging. Von dort aus haben sie später in die Provence hineingewirkt; sie schlossen sich, wie die ver-bliebenen Altgläubigen in Norditalien, teilweise den Katharern an. 

Unter ihnen entstand der Mythos von der "Heiligen Lanze" und dem "Heiligen Gral"    (Parsifal).  

Die ”Kirchenordnung” der Katharer war von Altgläubigen beeinflußt. Nach der Ausrot-tung der Katharer (1250) mußten die verbliebenen Altgläubigen in Mitteleuropa erneut in den Untergrund gehen. 

Auf der Krim hielten sich Goten noch bis ins 18.Jahrhundert:

Seit die Verbindung zu ihren Brüdern im römischen Reich abgerissen war, lebten sie praktisch völlig isoliert. Sie schlossen sich zum Teil den russischen Altgläubigen an (die unter einer völlig andern Tradition stehen). 

"Politisch" vertreten die Altgläubigen "Theokratie":

Sie halten sich zwar an die Gesetze der Staaten, in denen sie leben, fühlen sich aber nicht als "Bürger" dieser Staaten (am Wehrdienst für diese Staaten z.B. sind sie nicht interessiert): Für sie ist noch immer ‑  trotz aller Schwächen ‑ das Heilige Römische Reich (von Konstantinopel) der Prototyp des ”Reiches Gottes auf Erden”.
                                                                                                               Deshalb streben sie die Erneuerung des christlichen (Universal)-Kaisertums an (das wäre zur Zeit nur über die alte russische Zarenfamilie, die Romanows, möglich, die heute in Holland residieren). 

Im übrigen halten sich die Altgläubigen an die "katholischen" Kirchen des Westens  und Ostens, wobei sie aufgrund ihrer Tradition den Kirchen des Ostens näher stehen, als der Kirche des Westens.
                                                                                                                   Den Papst in Rom erkennen sie als Patriarchen des Abendlandes an (seit der Papst diesen Titel abgelegt hat, ist dies nicht mehr möglich). Es bleibt nur noch die Erneu-erung des alten Universal-Kaisertums, um die "wahre" christliche Kirche wieder "ins Leben" zu bringen. 

Die Kirchengebäude der Altgläubigen sind heute nur noch Kulturdenkmäler, am ein-drucksvollsten in Ravenna/Italien; sie werden heute teilweise von "römischen Katho-liken" genutzt.

Vor allem in Ravenna, aber auch in Spanien und Nordafrika (sogar auf der Krim) findet sich reiches archäologisches Material.
 
Im übrigen ist die gotische Kultur Gegenstand wissenschaftlicher Unternehmungen, die sich auch mit dem gotischen Christentum befassen.  

Das gottesdienstliche Leben hält sich im wesentlichen in der Familie. Gottesdienste außerhalb der Familie gibt es nur sehr seltenen Ausnahmefällen, und dann nur in Ver-bindung mit orthodoxen Hierarchen.
                                                                                                                    Die Liturgie der Altgläubigen entspricht der Liturgie von Konstantinopel im Jahre 325; sie liegt in einer rekonstruierten Fassung vor.

Wegen der engen Verwandtschaft dieser Liturgie mit den Liturgien der Ostkirche be-suchen die Altgläubigen manchmal (griechisch)-orthodoxe Gottesdienste.

Eine "Verwaltungsorganisation" gibt es nicht mehr. Die Verbindungen der Altgläubigen untereinander sind im wesentlichen persönliche.

Die geistliche Führung liegt in Händen von Diakonen (gegebenenfalls unter der Leitung von Archidiakonen). 

Die Diakone halten sich an das "Gesetz der Apostel" (canones apostolorum).
                                                                                                 Als Glaubenslehre dient die Schrift des Johannes von Damaskus (650-750) "Über den rechten Glauben" (De fide orthodoxa). 
                                                                                          
Die Schriften des Judentums (das ”Alte Testament”) haben  bei den Altgläubigen keine Autorität mehr: Sie halten sich, da sie keine eigene Theologie entwickelt haben, an die vedische Tradition und das Awesta.                                                                                               
Heiligen- und Marienverehrung gibt es nicht mehr. Es gibt auch keine Mission.

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