Der griechische Name lautet Iesos, aramäisch Jeschua. Jesus ist die spätere lateini-sche Version des Namens. Die Goten haben die griechische Version übernommen.
Wir verwenden außerhalb der Liturgie die im Alltag des Westens gängige lateinische Version.
Über den historischen Jesus ist außerhalb der Schriften des ”Urchristentums” so gut wie nichts bekannt: Wir wissen nur, daß er gelebt hat. Aber angesichts der ungeheu-ren geschichtlichen Wirkung, die von Jesus ausgegangen ist, kommt es auf den histo-rischen Jesus nicht entscheidend an.
Immerhin läßt sich doch einiges sagen: Jeus stammte aus Galiläa, er war von der Si-tuation im Galiläa seiner Zeit geprägt.
Es gab dort, wie man heute sagen würde, einen ”multikulturellen Hintergrund”: Galiläa hatte oft die Herrschaft gewechselt, es war zu einem Konglomerat von Juden, Medern, Aramäern, Phöniziern und Griechen geworden.
Es wurde aramäisch und griechisch gesprochen: Jesus wird beide Sprachen gespro- chen haben.
Das galiläische Judentum war lange von den Wurzeln Israels abgeschnitten.
Galiläa unterlag den Einflüssen der alten Kulturen der Nachbarländer. Die Juden fühlten sich in Galiläa in der Diaspora; sie hielten sich deshalb betont an das "Gesetz", die Thora.
Die Bevölkerung lebte bescheiden. Die Juden Galiläas standen der Zentrale in Jerusa-lem kritisch gegenüber. Daraus erklärt sich die Haltung Jesu gegenüber dem von Jeru-salem geprägten Judentum.
Auch die Mentalität Jesu dürfte galiläisch gewesen sein. Obwohl immer wieder be-hauptet wird, Jesus sei Jude gewesen, ist das ziemlich unwahrscheinlich:
Wenn man von Äußerlichkeiten absieht, ist das ganze öffentliche Auftreten Jesu von einer unüberbrückbaren Distanz zum Judentum geprägt:
Die durch die Pharisäer lancierte Hinrichtung Jesu ist unter diesen Umständen sogar nachvollziehbar.
Andererseits ist erstaunlich, in welchem Maß in der Verkündigung Jesu die Tradition des alt-iranischen Propheten Saradoscht (spätestens um 700 vor Christus) durch-scheint, ohne daß Jesus sich jemals auf ihn berufen hat.
Ein wichtiger Hinweis ist der von ihm in Anspruch genommene Titel ”Menschensohn” (gotisch = sunnaus mans), der die germanischen Christen besonders berührt haben muß:
Sie haben sicher noch den mannus herausgehört, dessen Söhne sich die Germanen nach Tacitus nannten.
Mannus weist wiederum auf den Manu des Veda (etwa 3000 vor Christus), der ver-mutlich mit dem mannus des Tacitus identisch ist.
So führt die Spur über Saradoscht ins Veda.
Ein weiterer Hinweis auf die Saradoscht-Tradition ist der Bericht der Evangelien über das Erscheinen der ”Heiligen drei Könige” bei der Geburt Jesu: Diese waren nicht etwa weltliche Herrscher, sondern "Hohe Priester" der Saradoscht-Tradition (magoi).
So ist auch fraglich, ob Jesus mit dem "Vater" wirklich auf den israelischen Stammes-gott verweisen wollte oder nicht vielmehr auf mannus, also den vedischen Manu, wenn nicht überhaupt auf Saradoscht:
Er könnte sich jedenfalls als den von Saradoscht angekündigten Heiland verstanden haben.
Die Juden hatten im babylonischen Exil Berührung mit der Saradoscht-Tradition und haben von ihr wesentliche Elemente ihres Glaubens übernommen. Das gilt vor allem für den Messiasglauben:
Von der Saradoscht-Tradition besonders geprägt ist das jüdische Buch Daniel. Hier findet sich auch der Titel "Menschensohn", den Jesus für sich in Anspruch genommen hat.
Schließlich gab es in der untergegangen christlich-persischen Kirche sogar eine Über-lieferung, die Jesus als Wiedergeburt Saradoschts verstand.
Nach neuesten Erkenntnissen stammte Jesus schließlich keineswegs aus ärmlichen Verhältnissen, sondern aus einer "mittelständischen" wohlhabenden Familie:
Sein Vater Joseph war vermutlich selbständiger Bauingenieur ("Geometer").
Auch Jesus hat diesen Beruf im Betrieb seines Vaters ausgeübt; er konnte selbstver-ständlich lesen und schreiben, sprach mehrere Sprachen und war umfassend gebil-det.
Auch seine Jünger waren - entgegen landläufiger Meinung - hochgebildete Leute.
Die Evangelien sind teilweise hochkomplizierte literarische Gebilde.